Hahnentrittkopf über den Nordgrat – ein unscheinbarer Gipfel mit großer Aussicht

11.08.2023VerwallBergsteigen

Schöne Bergtour im Verwall über den Nordgrat des Hahnentrittkopfs und anschließender Besteigung des Augstenbergkopf. Einsame Gipfel, abwechslungsreiches Gelände und Premiumaussicht.

14Kilometer
1.700Höhenmeter
T5Wandern
IKlettern (UIAA)
11 hZeitbedarf
2Gipfel
Gipfel:Hahnentrittkopf2.636 mAugstenbergkopf2.881 m

Salzhütte im Verwalltal – Zustieg zur Faselfadalpe – Nordgrat – Hahnentrittkopf (2.636 m) – Südostflanke – Obere Faselfadseen – weiter zum Augstenbergkopf (2.881 m) – Salzhütte

Einstieg zum Nordgrat auf ca. 2150 m

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Eigentlich hatte ich für diesen Tag eine Tour in der Silvretta geplant. Dann stellte sich eher zufällig heraus, dass Sven ebenfalls unterwegs sein würde – allerdings am Augstenbergkopf im Verwall. Also änderte ich kurzerhand meine Pläne. Wenn ich schon einmal in der Gegend war, könnte ich vorher noch den Hahnentrittkopf (2.636 m) über seinen Nordgrat mitnehmen. Sozusagen zum Aufwärmen.

Der Berg wirkt neben seinen wesentlich bekannteren Nachbarn eher unscheinbar. Dass er nicht nur einen abwechslungsreichen Anstieg, sondern auch eines der schönsten Panoramen des Tages bieten würde, hatte ich nicht erwartet. Beim Abstieg sollte sich allerdings noch zeigen, dass die Schwierigkeiten nicht unbedingt dort liegen, wo man sie zunächst vermutet.

Aufgezeichnete Tourenroute

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Durch steile Grashänge zum Nordgrat

Um 8 Uhr starte ich an der Salzhütte im Verwalltal. Zunächst folge ich dem Pfad in Richtung Faselfadalpe, der kein offizieller Wanderweg ist. Die Strecke kenne ich bereits von meiner Tour über den Nordgrat des Scheibler im Jahr 2020. Diesmal habe ich aber ein anderes Ziel vor Augen.

Gegen 9:15 Uhr verlasse ich den Pfad kurz vor der Alpe und steige weglos nach Osten auf. Was auf der Karte recht unkompliziert aussieht, entpuppt sich als mühsame Angelegenheit: Die Hänge sind steil und dicht bewachsen. Besonders elegant komme ich hier nicht voran. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, zunächst bis zur Faselfadalpe weiterzugehen und von dort in einem Bogen nach Norden aufzusteigen. Immerhin kreuze ich bald eine Viehspur, die offenbar von der Alpe heraufzieht.

Auf ungefähr 2.150 Metern wird das Gelände endlich flacher und übersichtlicher. Ich quere nach Westen, bis sich der Nordgrat des Hahnentrittkopfs gut erkennen lässt. Nach dem schweißtreibenden Zustieg bietet sich hier eine Pause an – zumal Richtung Norden sich bereits ein schönes Panorama öffnet.

Der Nordgrat ist leichter als erwartet

Von hier halte ich auf Punkt 2.284 zu, wo der eigentliche Nordgrat beginnt. Schon beim ersten Blick wird klar, dass mich kein besonders steiler Felsgrat erwartet. Über weite Strecken lässt sich der Rücken recht unkompliziert begehen. Nur vereinzelt muss ich die Hände zu Hilfe nehmen; die schwierigeren Stellen würde ich hier höchstens mit T4 bewerten.

Bereits um 10:45 Uhr erreiche ich den Vorgipfel bei Punkt 2.474. Ein kurzer Abstieg trennt ihn vom oberen Teil des Nordgrats. Dort warten noch einmal einige felsige Passagen im Bereich T4, aber nichts, was mich ernsthaft aufhält. Eine halbe Stunde später, um 11:15 Uhr, stehe ich auf dem Hahnentrittkopf.

Für einen Berg, den ich ursprünglich nur als kleines Zusatzprogramm eingeplant hatte, ist das eine ziemlich lohnende Angelegenheit.

Ein Logenplatz gegenüber dem Patteriol

Am Gipfel kann ich mich kaum sattsehen. Der Patteriol ragt von hier noch gewaltiger auf, als ich ihn ohnehin in Erinnerung habe. Dahinter beziehungsweise daneben fällt der Blick auf den frisch verschneiten Fasulferner. Auch die Pflunspitzen und der Kaltenberg ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Die düstere Nordwand der Kuchenspitze bleibt dagegen hinter dem Scheibler verborgen.

Und dann ist da natürlich noch der Augstenbergkopf, mein nächstes Ziel. Eigentlich müsste ich mich allmählich auf den Weg machen. Aber nach diesem überraschend großartigen Rundblick fällt der Aufbruch schwer.

Ein wenig Respekt habe ich außerdem vor dem Abstieg. Die Südostseite des Hahnentrittkopfs hatte ich mir früher schon einmal aus Richtung Fasulalpkopf angesehen. Damals wirkte sie ziemlich abweisend. Ob sie sich aus der Nähe besser präsentiert?

Über die steile Südostflanke hinunter

Zunächst folge ich dem Südostgrat. Als mich ein Abbruch aufhält, weiche ich in die steile Südostflanke aus. Hier wird es deutlich ernster als am Nordgrat: Gras und Schrofen wechseln sich ab, und stellenweise muss ich vorsichtig abklettern. Unter guten Verhältnissen ist die Passage machbar, aber mit ungefähr T5 liegt die Schwierigkeit klar über dem bisherigen Aufstieg. In nassem Gras möchte ich hier jedenfalls nicht unterwegs sein.

Unterhalb der Flanke erreiche ich den südlich verlaufenden Verbindungsgrat in Richtung Fasulalpkopf. Ich halte mich zunächst an dessen Westseite, wo eine überraschend brauchbare Pfadspur entlangführt. Nach etwa 250 Metern muss ich allerdings wieder steil zum Grat hinaufsteigen. Auch hier dürfte die Schwierigkeit ungefähr T5 erreichen. Ob es einen geschickteren Durchschlupf gibt, kann ich nicht beurteilen.

Anschließend wende ich mich nach Südosten in Richtung Faselfadferner und ziehe in einem weiten Bogen zu den Oberen Faselfadseen hinüber. Rückblickend wäre es vielleicht möglich gewesen, gleich nach der Südostflanke direkt zu den Seen abzusteigen. Diese Abzweigung habe ich jedoch verpasst – also wird aus der geplanten Verbindung noch eine kleine Extrarunde.

Oberhalb der Faselfadseen wartet der zweite Gipfel

Als ich die Oberen Faselfadseen erreiche, entdecke ich Sven bereits weiter unten. Er quert von den Unteren Seen in Richtung Faselfadjöchli. Also beeile ich mich, damit wir den Augstenbergkopf (2.881 m) noch gemeinsam angehen können.

Die weitere Besteigung des Augstenbergkopfs gehörte ebenfalls zu unserer Tour. Die ausführliche Beschreibung dieses Abschnitts überlasse ich aber Svens eigenem Bericht; hier soll es vor allem um den Hahnentrittkopf und seine wenig bekannten Grate gehen.

Würde ich die Route wieder so wählen?

Im Alpenvereinsführer wird der Nordwestgrat als vermeintlich bequemere Aufstiegsvariante genannt. Dafür müsste man allerdings weiter ins Troligerkar queren, wo ausgedehntes, unangenehm zu begehendes Blockgeröll wartet. Ob dieser Weg tatsächlich einfacher ist, bezweifle ich – ausprobiert habe ich ihn nicht.

Als weitere Möglichkeit nennt der Führer die Südwestflanke für einen Abstieg in Richtung Konstanzer Hütte. Auch das bleibt für mich eine ungetestete Alternative.

Was ich nach dieser Tour sicher sagen kann: Der Nordgrat ist ein schöner, überwiegend wenig schwieriger Zugang zu einem erstaunlich aussichtsreichen Gipfel. Der Abstieg über die Südostflanke verlangt dagegen deutlich mehr Aufmerksamkeit und Trittsicherheit. Wer den Hahnentrittkopf in eine Tour rund um die Konstanzer Hütte einbauen möchte, sollte vor allem diese Passage nicht unterschätzen.

Am meisten in Erinnerung bleibt mir aber das Panorama. Ausgerechnet dieser unscheinbare Gipfel, den ich nur als Aufwärmprogramm eingeplant hatte, hat mich mit einer Aussicht überrascht, die sich vor den großen Nachbarn im Verwall überhaupt nicht verstecken muss.

Tourdaten: Die Gesamttour umfasste geschätzt ca. 14 km und 1.700 Höhenmeter im Auf- und Abstieg. Die GPS-Aufzeichnung beginnt erst um 09:17 Uhr, etwa 500 Höhenmeter oberhalb der Salzhütte. Die Gesamtwerte wurden anhand des Rückwegs abgeschätzt; der Track zeigt nur den tatsächlich aufgezeichneten Teil.