Niederelbehütte – Kieler Wetterhütte – Fatlarspitze – Saumspitze – Schneidjöchli – Nördlicher Seekopf – Schneidjöchli – Kieler Wetterhütte
Kieler Wetterhütte - im Hintergrund Saumspitze, Fatlarspitze und Schnitzer
Drei Gipfel an einem Tag, dazu eine Kletterroute, bei der die Wegfindung fast anspruchsvoller werden sollte als die eigentliche Kletterei. Meine Runde im Verwall führte mich von der Kieler Wetterhütte zunächst auf die Fatlarspitze, weiter zur Saumspitze und schließlich über die Nordkante auf den Nördlichen Seekopf. Ein langer Tag, bei dem mir besonders zwei Dinge in Erinnerung geblieben sind: eine unangenehm brüchige Flanke und die Suche nach dem richtigen Weg durch die Nordkante der Seeköpfe.
Aufgezeichnete Tourenroute
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Mit schwerem Gepäck zur Kieler Wetterhütte
Gegen acht Uhr starte ich an der Niederelbehütte. Der erste Abschnitt hat mit Gipfelgenuss noch wenig zu tun: Mit dem schweren Rucksack und dem Übernachtungsgepäck geht es hinauf zur Kieler Wetterhütte. Dort möchte ich die kommende Nacht verbringen. Die zusätzliche Höhe passt mir gut in die Vorbereitung auf eine anstehende Tour im Wallis – ein wenig Akklimatisation kann schließlich nicht schaden.
Gegen zehn Uhr kann ich dann endlich ohne das gesamte Gepäck zur Fatlarspitze aufbrechen. Für mich ist es kein unbekannter Berg. Schon 2002 war ich hier mit einem Freund unterwegs gewesen, und an diese Tour denke ich nicht unbedingt gern zurück. Seine damals noch geringe Bergerfahrung hatte uns einige Schwierigkeiten beschert. Ich war jedenfalls ziemlich froh gewesen, als wir beide wieder sicher unten waren. Dreizehn Jahre später bot sich eine gute Gelegenheit, das Erlebnis mit einer angenehmeren Erinnerung zu überschreiben. ;-)
Fatlarspitze und der Weiterweg zur Saumspitze
Nach etwa einer Dreiviertelstunde stehe ich auf der Fatlarspitze. Die damals sehr anspruchsvolle Kletterei geht diesmal viel leichter von der Hand, ich glaube wir haben damals aber auch die falsche Route erwischt und sind zu weit rechts geklettert. Wenn man durch die Rinne zur Scharte gelangt ist, muss man auf der anderen Seite fast ganz bis ans Ende des Bands queren. Dort findet sich auch ein Bohrhaken und erst dort geht es hoch. Viel Zeit zum Verweilen bleibt nicht: Vor mir liegt noch eine ganze Reihe von Metern am Grat. Weiter geht es in Richtung Saumspitze, wobei ich die Gratlinie nicht durchgehend ausklettere. Wie im Alpenvereinsführer beschrieben, weiche ich streckenweise unterhalb aus, wobei ich den Fehler gemacht habe, zu weit unten in der Flanke zu bleiben und stecke plötzlich in einem üblen Gebrösel. Um nun wieder auf den Grat zu gelangen, muss ich die ungefähr 45 Grad steile Bruchflanke aufsteigen. Alles ist bröselig und wenig vertrauenerweckend. Technisch komme ich zwar durch, aber zu den Passagen, die ich freiwillig wiederholen würde, gehört das sicher nicht.
Gegen 13 Uhr erreiche ich die Saumspitze. Für den Abstieg wähle ich nicht den Normalweg, sondern direkt den Südgrat mit leichter Kletterei im II. Grad. Danach geht es weiter zum Schneidjöchli. Damit ist die Tour aber noch lange nicht beendet: Der Nördliche Seekopf wartet noch auf seinen Besuch.
Auf der Suche nach der Nordkante
Vom Schneidjöchli folge ich zunächst dem Grat. Vor der Nordflanke markiert ein auffälliger Steinmann die Stelle, an der man genauer hinschauen sollte. Leicht rechts davon führt eine Rinne hinauf; die eigentliche Nordkante liegt rechts neben dieser ersten Rinne. Die Unterscheidung ist wichtig, denn hier lässt sich durchaus etwas Zeit mit der Suche nach dem richtigen Durchstieg verbringen.
Ich steige in die Rinne ein und gelange bis kurz vor einen messingfarbenen Bohrhaken. Von dort lässt sich rechts auf der Kante ein weiterer Steinmann erkennen. Der Quergang dorthin ist etwas knifflig und dürfte kurz den III. Grad erreichen. Danach bietet es sich an, in eine weitere Rinne rechts neben der Kante zu wechseln und dieser bis knapp unter den Gipfel zu folgen. Eine letzte Stelle im II. Grad, und der Nördliche Seekopf ist erreicht.
Ganz so geradlinig verlief meine eigene Kletterei allerdings nicht. Ich versuche zunächst, möglichst konsequent auf der Nordkante zu bleiben, wo Passagen im III. Grad warten. An einer Stelle, die mir eher nach IV aussieht, ist für mich Schluss: Ich klettere zurück und weiche nach rechts in die Rinne aus. Ohne Seil ist mir diese Variante deutlich lieber. Mit Seil wäre der direkte Weg vermutlich eher etwas, Bohrhaken sind jedenfalls vorhanden. Eine objektiv abgesicherte Schwierigkeitsbewertung für diese ausgelassene Stelle kann ich daraus aber nicht ableiten.
Gegen 16 Uhr stehe ich schließlich auf dem Nordgipfel. Allein vom Schneidjöchli hierher habe ich durch das Filmen und die wiederholte Suche nach der passenden Linie mehr als eine Stunde benötigt. Zurück zum Joch geht es dann mit gut 40 Minuten deutlich flotter. Es hilft eben, wenn man den Weg inzwischen kennt.
Ein langer Tag im Verwall
Mit Fatlarspitze, Saumspitze und Nördlichem Seekopf ist aus dem Tag eine schöne, anspruchsvolle Gipfelrunde geworden. Im Gedächtnis bleiben mir vor allem das brüchige Gelände vor der Saumspitze und die etwas eigenwillige Wegfindung an der Seeköpfe-Nordkante. Die Orientierung entscheidet hier oft darüber, ob die Kletterei angenehm bleibt oder schnell deutlich schwieriger wird.
Die beiden unterschiedlichen Tourenteile habe ich damals auch gefilmt: die Überschreitung über Fatlarspitze und Saumspitze sowie die Kletterei auf den Nördlichen Seekopf. Die Videos ergänzen den Bericht, ersetzen aber keine sichere eigene Routenbeurteilung.
