Bergunglück/Linkerskopf

Thomas K.
Hallo Martin,

hatte gestern schon ein Eintrag gesendet, aber irgendwie ist er wohl verloren gegangen.
Mich interessiert, ob du weitere Infos zum Absturz am Linkerskopf in der örtlichen Presse lesen konntest.
Du hattest einen Hüttenwirt erwähnt - handelt es sich um den Hüttenwirt von der Enzianhütte und wie ist sein Gesundheitszustand ?
Ansonsten noch viel Spaß bei deinen weiteren Touren.

Gruß nach Oberstdorf.
T.Karcz
Martin
Hallo, auf der Seite der Bergwacht Bayern habe ich folgendes gefunden:

25.06. Am Märzle verirrt

Die Witterungsverhältnisse waren widerlich, Regen, Nebel, der Weg nicht sichtbar nur Schnee, deshalb kam der 34-Jährige aus Freudenberg im Märzle unterhalb der Krottenspitzen vom rechten Weg ab und verlor die Orientierung. Über Handy alarmierte er die Bergwacht Oberstdorf. Mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 17“ wurde der Mann mit Unterkühlung aus seiner misslichen Lage befreit, denn der weitere Weg nach Unten hätte ihn genau auf die Felswände des Wasserfall im Traufbachtal geführt.



24.06 Absturz über 100 Höhenmeter

Im Bereich Linkerskopf wollte ein 34-jähriger Hüttenwirt zu seinen Schafen schauen.wieder zurück sein, Als er in den Mittagstunden noch nicht zurück war, wurde vom Personal nach ihm gesucht, konnte aber nicht gefunden werden.
Die Rettungsleitstelle alarmiert die Bergwacht Oberstdorf um eine Suche einzuleiten, der Einsatzleiter orderte sofort den Rettungshubschrauber „Christoph 17“.
Aufgrund des primären Suchbereich konnte der Hüttenwirt nach dem ersten Anflug geortet werden. Mit zahlreichen schwersten Verletzungen und starker Unterkühlung wurde der Abgestürzte von der Bergwacht Oberstdorf und dem Notarzt versorgt, anschließend mit dem Bergetau vom Christoph 17 geborgen und in die Unfallklinik nach Kempten geflogen.
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Mehr weiß ich auch nicht, die Lokalpresse habe ich nicht verfolgt, da ich mir mein heimisches Intelligenzblatt habe nachschicken lassen und damit ausgelastet bin. Das Archiv unter www.all-in.de liefert nichts.
Es gilt wohl gerade in diesem Jahr der Satz von einer der vielen Gedenktafeln am Großen Widderstein:
"Viele Wege führen zu Gott, einer davon über die Berge."
Eine gute Vorstellung von der Schlüsselstelle unterhalb des Gipfels des Großen Widdersteins vermittelt recht gut ein Bild in dem neuen Hieble-Bildband "Naturerlebnis Allgäuer Berge", im Buch handelt es sich allerdings um eine Winterbesteigung!
Heute hat es in den Hochlagen wohl wieder Neuschnee gegeben, das Märzle ist komplett schneebedeckt.
Gruß Martin
Micha
Es handelt sich um den Hüttenwirt der Enzianhütte. Er erlitt durch seinen ca.15m-Sturz mehrere Knochenbrüche..

Der LBV (http://www.lbv.de) sucht jetzt dringend Helfer, die beim Heruntertreiben der Schafe mitmachen. Ziel ist, ca. 50 Tiere wieder auf Flächen unterhalb eines Zaunes zu treiben, der zum Schutz des Gletscherhahnenfußes aufgestellt wurde. Die Helfer sollten in steilem Grasgelände erfahren sein und ggf. Steigeisen / genagelte Schuhe mitbringen.
Außerdem werden noch Freiwillige gesucht, die bei der Pflege der Flächen in den nächsten Wochen mithelfen. Bestimmte Bereiche werden gemäht und das Material muß zusammengerecht und abgetragen werden. Dies findet in flachen Bereichen unterhalb des Schafzaunes / nahe der Enzianhütte statt - also auch für weniger Graserfahrene geeignet.

Wer da Interesse hat, der melde sich bei mir: yetiathome-at-web.de
Micha
Micha
Folgenden Beitrag habe ich neulich in der Zeitung entdeckt:

„Tiertragödie in der Felsregion“ (Allgäu Rundschau,23.10.2004)
28 Weideschafe versteigen sich – Einfangversuche gescheitert – Von Jägern erlegt

Einer Tiertragödie in den Oberstdorfer Bergen sind 28 Weideschafe zum Opfer gefallen. Die Tiere, die sich vor Wochen in der 2200m hohen Felszone in der Nähe des Heilbronner Weges verstiegen hatten und inzwischen jeglichen Kontakt mit Schäfer, Hirten und Helfern scheuten, mussten von zwei Jägern erlegt werden. Mehrmalige Versuche, die Tiere einzufangen, waren nach Darstellung der Beteiligten gescheitert. Weil Schneefall einsetzte, wären die Schafe verhungert, rechtfertigt das Veterinäramt des Landkreises Oberallgäu den Abschuss.

Schäfer Karl Maucher aus Obergünzburg war nach eigener Darstellung im Juni auf eine Annonce in einer Fachzeitschrift eingegangen. Darin wurde eine kostenlose Alpbeweidung auf privaten Bergwiesen zwischen Enzianhütte, Linkerskopf und Rotgundspitze oberhalb des Rappenalptals angeboten. Mehr als 200 Schafe wurden hoch getrieben. Für Maucher und seine Herde war es der erste Aufenthalt im Hochgebirge. Dabei ist es keineswegs ungewöhnlich, dass in den Oberstdorfer Bergen neben Jungrindern eben auch Schafe den Alpsommer verbringen. In früheren Jahren grasten etwa am Einödsberg bis zu 1000 Schafe.
Diesmal schien der Aufenthalt in den Hochlagen unter einem besonders schlechten Stern zu stehen. Erst war der helfende Besitzer eines Alpgebiets beim Treiben der Schafe abgestürzt, wobei er schwere Verletzungen davontrug. Dann brach sich der Schäfer beim Hüten den Knöchel und musste ins Krankenhaus. Es war wohl die Zeit, in der sich die 28 Tiere von der übrigen Herde absonderten und in dem nur schwer erreichbaren Felsgebiet der Linkerskopfsüdseite verwilderten. Schäfer Maucher: „Die Tiere mischten sich regelrecht unter die Gämsen und Steinböcke.“
Alfred Milz, als Tierfilmer ein bewanderter Kenner der alpinen Zonen, eilte zusammen mit erfahrenen Bergsteigern und Bergwachtmännern zu Hilfe, als alle bisherigen Rettungsversuche auch unter Einsatz von Hütehunden vergeblich blieben. Milz ist erfahren in solchen Notlagen. In früheren Jahren gelang es ihm und anderen Oberstdorfern mehrfach, ausgerissene Schafe und Ziegen durch das Auslegen von Futterballen zurück zur Herde zu locken. Doch mussten die Helfer um Milz einen letzten Versuch ergebnislos abbrechen, nachdem sich eine Schlechtwetterfront mit Schneefall angekündigt hatte.
Weil der Schäfer seine Tiere nicht dem Hungertod im Schnee überlassen wollte, wurde ein Hubschrauber-Einsatz verabredet, der Helfer und zwei Jäger nahe des „Wieslekars“ absetzte. Aus einer Entfernung von 150m wurden nach und nach die Mutterschafe und Lämmer erlegt, an Ort und Stelle ausgeweidet und die Tierkörper mit dem Helikopter ins Tal geflogen. Der Schäfer beziffert seinen Verlust durch den Tod der Tiere und den Hubschraubereinsatz auf 10.000 Euro.
Die Tötungsaktion hat aus Sicht der Veterinäre am Landratsamt keine Konsequenzen. Wie Sprecher Andreas Kaenders auf Anfrage erklärte, habe es nur die Alternative gegeben, das Leiden der hungernden Tiere abzukürzen. Wegen des fehlenden Nahrungsangebots wären die Schafe sonst verhungert. Kaenders: „Die Maßnahme war gerechtfertigt.“ Auch die Oberstdorfer Polizei, so betont deren Inspektions-Chef Friedrich Hummel, sieht keinerlei Veranlassung, Ermittlungen einzuleiten.

***
Fraglich, ob die Schafe bereits gehungert haben oder später verhungert wären. Wenn die Viecher nicht auf Futterballen reagieren, dann wohl nur, weil sie bereits satt sind. (@webmaster: Wie war das mit dem verwilderten Schaf, das man nach zwei Jahren Nonstop-Bergaufenthalt gefunden wurde?)
Egal, dieses „Schafmassaker“ war unnötig, besonders, wenn man sich das Hochdruckwetter der letzten Woche anschaut. Da wären schon noch ein paar Tage zum Einfangen dabei gewesen.
Was mir noch aufgefallen ist: es wird über den Schaden, der durch den Verlust der Tiere entstanden ist, berichtet. Die Tiere wurden nicht verloren, sondern erlegt und danach sicherlich nicht verschenkt worden.. Allgemein erscheint es mir unglaubhaft, dass jemand bereit ist finanzielle Einbußen für Tierleben in Kauf zu nehmen.
Micha
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