Krotten- und Öfnerspitze

Bodo
Hallo.

Hat jemand von euch die Krotten- bzw. Öfnerspitze schon bestiegen? Im AV-Führer steht das man nach der zweiten Scharte leicht fallend zu dem Sattel zwischen Öfner- Krottenspitze queren muss. Wie ist das Gelände dort?. Benötigt man einen guten Ortsinn oder bleibt die Orientierung relativ leicht?

Würde mich über kurze Antwort freuen

Grüße Bodo
Bernd a. O.
Hallo Bodo,
war heuer schon 3 mal auf beiden Gipfeln und habe jedesmal einen anderen Zustieg benützt.Der längste, schönste und aufwändigste Zustieg ist über den Krottenspitzengrat vom Fürschießer her, aber der hat 28 Seillängen und einzelne Kletterstellen im 4 Grad, das ist die längste Klettertour im Allgäu.Beschrieben im AVF 874 oder noch besser im Allgäu-Kletterführer von Stefan Meineke, da ist jede Seillänge einzeln beschrieben, Kletterzeit ab Einstieg 6 bis 8 Stunden.Der direkte Zustieg von der Kemptener Hütte durch das Schaferloch ist im Bereich 3- bis 3 erfordert Ortsinn und bei einem Verhauer noch Reserven, extrem brüchig.AVF 863. Der einfachste Zustieg zu diesen traumhaften Gipfeln ist vom Mädelejoch in das Öfnerkar und beschrieben im AVF unter 861 und 862. Kletterstellen bis 2+ sind immer zu erwarten da der Weg nicht genau zu erkennen ist, beide Gipfel sind ausgesprochen brüchig und sehr selten begangen. Beim ersten mal würde ich empfehlen über die Öfnerspitze zur Krottenspitze zu gehen und das gleiche zurück. Wenn man da oben vom Nebel überrascht wird findet man, wenn überhaupt, nur über die Öfnerspitze und den Südwestgrat in das Öfnerkar zurück. Solltest Du nach AVF 861 gehen wollen sind Verhauer einzuplanen. Wenn Du an der Kemptener Hütte vorbeigehst lohnt es sich auch noch den Hüttenwirt zu fragen.

Bernd a. O.
Bodo
Hallo Bernd!

Danke erstmal für deine Antwort. Bin echt überrascht. Ich hätte mir die Querung unter der Öfnerspitze zum Sattel als eine nicht zu steile, gut zu begehende Schuttrampe vorgestellt (so ist es zumindest im AV-Führer beschrieben). Ich hab aber noch eine Frage zum Südwestgrat: Ist er deiner Meinung nach leichter zu begehen als die Querung (Orientierung, Schwierigkeit) oder handelt es sich dabei um einen steilen, eng zusammen geschnürten Grat?

Danke im Voraus!

Grüße von Bodo
Boris Stephan
Schau doch am besten mal, ob du nicht noch ein Restexemplar von "Allgäuer Alpen neu entdeckt" von Günther Laudahn ergatterst. Da ist die Tour über Öfnerspitze und Krottenspitze ausführlich beschrieben. Ich hab's noch nicht gewagt, da im Buch "Paradies Allgäu" von Franz Hieble diesbezüglich eine traurige Geschichte drin steht, welche mir ziemlich unter die Haut gegangen ist. Wahrscheinlich habe ich aber schon ähnlich anspruchsvolle Touren gemacht.

Grüße Boris
Bodo
Hallo Boris

Soweit ich gehört habe gibt es nicht mehr all zu viele Exemplare von diesem Buch. Meinst du man kann es überhaupt noch in einer Buchhandlung kaufen? Aber was für eine Geschichte meinst du mit der Krotten/Öfnerspitze - etwa einen Unfall? Ah, ich glaube die Geschichte schon einmal gehört zu haben. Denkst du an das Ehepaar (oder so ähnlich), dass bei der Querung unter der Öfnerspitze abgestürzt ist bzw. sich verstiegen hat?

Grüße Bodo
Boris Stephan
Hallo Bodo,

ich habe in den letzten 12 Monaten nicht mehr so die Augen offen gehalten, davor habe ich das Buch hier und da noch als Restbestand gesichtet. In einer Buchhandlung in Oberstdorf gab es auch noch 2 Exemplare. Ansonsten lohnt es bei Amazon (gebraucht) und in Büchereien mal zu schauen. Sind schließlich auch andere superausgefallene Touren drin (so nach und nach arbeite ich die auch für meine Homepage auf, damit sie nicht ganz in Vergessenheit geraten)

Bzgl. des tödlichen Unfalls meine ich genau die von dir erwähnte Geschichte mit dem älteren Ehepaar. Günther beschreibt den Übergang eigentlich recht moderat und wenn man sich den wenig eingesenkten Grat zwischen Öfnerspitze und Krottenspitze von weitem anschaut, dann hätte ich da eigentlich auch keine sonderliche Bedenken gehabt. Es hat mich schockiert, dass hier gleich 2 Menschen hintereinander abgestürzt sind - beide tot. Aber ich denke, nächstes Jahr sind die beiden Gipfel fällig, bestimmt aber nicht als Solotour.

Grüße Boris
Boris Stephan
Hallo,

ich habe die besagte Begebenheit ausgegraben und mit Texterkennung eingescannt. Für Thorsten dürfte hierbei interessant sein, dass damit natürlich auf seiner Seite soetwas wie ein Verstoß gegen das Urheberrecht stattfindet, aber das Buch gibt es leider nicht mehr zu kaufen und ich denke, Franz Hieble hat sicher nichts dagegen, wenn ich sein Erlebnis in diesem Zusammenhang wiedergebe. Jedes Mal, wenn ich zu der schönen Bergformation der Öfner- und Krottenspitze hinüberblicke geht mir diese "Geschichte" durch den Kopf und sie hat mich bisher vor einer Besteigung dieser beiden Gipfel abgehalten. Ich glaube, manch anderem geht das nach dem Lesen ähnlich. Das folgende steht im schönen Bildband mit dem Titel "Paradies Allgäu" von Franz Hieble und Wolfgang Schneider auf Seite 58 bis 62 geschrieben:


Der Hieble Franz erzählt:

13. September 1979. Kurz nach vier Uhr hebe ich am Nebelhornparkplatz mein Fahrrad aus dem Kofferraum und den Spezialrucksack mit der Fotoausrüstung.
So ein strahlender Morgen! Die Luft glasklar, nicht zu kühl, voll; satte Farben, jeder Stein zum Greifen nahe. Krottenkopfwestwand , Öfnerspitze, Krottenspitze, das werden heute optimale Aufnahmen... Dann geht's mit dem Rad an der Trettach entlang, bis hinter Spielmannsau. Es läuft gut heute. Beim weiteren Aufstieg zur Kemptner Hütte dringe ich zügig, mit schwerem Gepäck, durch den Sperrbachtobel vor. Es ist wunderbar. Freudige Ungeduld treibt mich vorwärts. Es ist ein Gefühl, Bäume ausreißen zu können! Auf geht's!

Eineinhalb Stunden später auf der Hütte poltern die ersten Touristen verschlafen zur Frühstücksausgabe. Der Wagner Ernst weiß schon, was ich jetzt brauche. Er hält mir eine frische Halbe entgegen. Der Schaum läuft außen am Glas herunter, tropft von den Fingern. Ein erster tiefer Schluck. Mei, tut des gut!

Drinnen in der Hütte ist mir der Rummel zu groß. Ich genieße mein Bier draußen, werde aber schon bald unruhig; ich muß weiter, zum Joch hinauf, ins Öfnerkar.

Dort geht's in der Fallinie bergauf, weglos, sandig, von Schotter durch
setzt. Ein anstrengendes Stück! Im
mer wieder rutscht der Fuß im brüchigen Untergrund zurück; das kostet Kraft.

Gegen dreiviertel neun oben in der Scharte am Grat. Beim Turm, der in der Mitte aufragt, halte ich mich rechts und verschnaufe. Ist das eine gewaltige Aussicht! Vor mir zieht sich der Grat zur Öfnerspitze hin, mit seinen Felsbändern, dem pyramidenartig stufigen Aufbau. Schräg unter mir, noch im Schatten, aber glasklar, die zerklüftete Flanke unter der Öfnerspitze; eine lautlose, fantastische Welt, scheinbar noch nie vom Fuß eines Menschen berührt...

Ich fühle mich stark, fast schwebend, frei. Nach mehreren Fotos von Krottenspitze, Öfnerspitze, Muttlerkopf und Großem Krottenkopf durchquere ich das Felslabyrinth der Nordwestflanke unter der Öfnerspitze.
Überwältigend der Blick hinüber zum Krottenspitzengrat... Schroffe Formationen. Jähe Felsabbrüche. Die Morgensonne hebt die bizarren Rippen und Spitzen scharf heraus. Licht und Schatten, sie überhöhen die wuchtigen Konturen. Einmalig schön, aber auch lebensfeindlich, drohend, ein gespenstischer Ort.

Nach einigen Aufnahmen setze ich meinen Weg fort, zum Grat hinauf und hinüber zum Hauptgipfel.

Stimmen? Drüben verharre ich bewegungslos, halte den Atem an, lausche...Stimmen, wirklich! Ich suche das Gelände ab, blicke den Weg zurück, über den Grat hinweg, zur Öfnerspitze hinauf... keine Bewegung, nichts! Auch in der zerklüfteten Flanke bleibt alles ruhig. Aber da, in der Scharte links vom Turm, wo ich vorhin durchkam, erscheinen zwei Bergwanderer. Sie zögern. Jetzt geht einer vor und quert in die Flanke hinüber. Die Orientierung fällt ihnen wohl schwer in dieser unübersichtlichen Gegend. Immer wieder bleiben sie stehen, besprechen sich, weichen aus.

Für mich überraschend, versuchen sie nun die Öfnerspitze aus der Flanke heraus zu ersteigen. Warum denn nicht über den stufigen Grat? Die breiten Absätze und Bänder bieten keine großen Schwierigkeiten und ausgesetzt ist der Weg auch nicht.

Eine halbe Stunde später treffe ich die beiden. Wir machen gemeinsam Brotzeit auf der Öfnerspitze. Ein Ehepaar, um die sechzig. Die Stimmung scheint etwas getrübt. Die Frau wirkt nervös. Sie fühlt sich von der Routenwahl überfordert und drängt zum baldigen Aufbruch.

Ihr Mann geht kaum auf sie ein. Er versucht ihre Befürchtungen herabzuspielen. Wahrscheinlich um den Starken, Sicheren zu spielen, steigt er recht leichtsinnig am Gipfel herum. Um ein Haar wäre er auch prompt auf einer von ihm losgetretenen Steinplatte Richtung Nordosten abgerutscht.

Um von dieser etwas blamablen Situation abzulenken, komme ich auf den ungewöhnlichen Aufstieg zu sprechen. Der Mann hält dabei die Beschreibung im Führer für nicht ganz eindeutig. Hinauf zur Scharte hat er denselben Weg gewählt wie ich. Aber nun mäkelt er bald an jedem Buchstaben des Textes herum. Er zweifelt immer noch.

Als die beiden zur Krottenspitze aufbrechen, wundere ich mich. Der hätte doch seine sich ängstigende Frau ans Seil nehmen können! Aber nein, er geht an die hundert Meter voraus und lotst sie durch Zuruf nach. Auch als sich die beiden auf dem Rückweg befinden, habe ich die Stimme noch lange im Ohr; sie hallt von den Wänden. Die Frau gehorcht zögernd und unsicher; nur weiter, vorwärts, heraus aus jenem schroffen unübersichtlichen Gelände!

In der Zwischenzeit habe ich mich für einen direkten Aufstieg auf den Muttler entschieden. Ein senkrechter, an die zwanzig Meter hoher Felsriegel versperrt mir den Weg. In schwieriger Kletterei arbeite ich mich den gefährlichen Abbruch hoch.

Noch drei Meter und es ist geschafft! Langsam. Nur jetzt keinen Fehler... Ich hänge knapp unterhalb der rettenden Kante, recke mich hoch zum nächsten Griff, packe zu...

Ich zucke zusammen. Irgendwo drüben, Richtung Öfnerspitze, höre ich Steinschlag. Er fährt krachend und polternd hinab. Verzweifelte irrsinnige Schreie. Das Geröll kommt zur

Ruhe. Drückende Stille... Mensch, was ist los! Der Schrecken durchzuckt mich. Mit einem Ruck ziehe ich mich über die Kante hoch, laufe das ausgesetzte Felsband vor, hinaus über das Öfnerkar.

Von dort muß der Lärm gekommen sein. Ich spähe die Steinrippen entlang, suche den Rand des Kars ab. .. Da, 0 mein Gott! Unten im Geröll leuchtet es weiß und rot; das karierte Hemd der Bergwanderin. Furchtbar!

Ich greife hinter mich an die Wand und versuche tief durchzuatmen. Da bricht in den Felsabstürzen unterm Grat schon wieder der Donner los.

Zehn, zwanzig Sekunden nach dem Unfall der Frau wirbelt der Körper ihres Mannes aus der Wand heraus; schlägt auf einem Felsband auf, stürzt tiefer und tiefer. Das Getöse des Steinschlags verebbt... Wahnsinn! Doch nicht beide!

Wie in Trance taste ich mich das Felsband zurück, eile zur Scharte hinab; dann springend und rutschend durch die Schotterrinne weiter ins Öfnerkar; ohne die Anstrengung zu spüren an den Abbrüchen der Öfnerspitze entlang, hin zur Unglücksstelle.

Schwer keuchend sinke ich nieder. Für die Eheleute ist Erste Hilfe sinnlos. Völlig ze
Bernd a. O.
Hallo Bodo,
der Südwestgrat ist meiner Meinung nach etwas leichter zum gehen, vorallem ist die Tourenlinie eindeutiger als in der Querung. Wenn Du die Querung optimal erwischt ist sie vermutlich auch machbar, aber bei einem Verhauer bist Du sofort in deutlich schwereren Gelände. Ich habe es vor 3 Jahren einmal ausprobiert und mußte dann irgendwo in der Westflanke die Flucht nach oben ergreifen und doch zur Öfnerspitze aufsteigen, obwohl ich sie eigentlich erst auf dem Rückweg mitnehmen wollte. Seitdem gehe ich immer über die Öfnerspitze wenn ich nicht gerade aus dem Schaferloch komme.

Bernd
Webmaster
Hallo Boris,

naja, ich denke das ist schon ok, wenn man mal ausnahmsweise einen Textauszug hier postet. Ich finde, daß die Verlage sowieso die Bücher, die sie nicht mehr verlegen, als PDF zum Download bereitstellen könnten (ich wäre auch bereit für den Download einen angemessenen Betrag zu zahlen). Aber so geraten viele Bücher in Vergessenheit..

Irgendwann will ich übrigens auch mal noch auf Krotten- und Öfnerspitze, mal schauen, vielleicht komme ich nächstes Jahr mal wieder mehr ins Allgäu.
Der Unfall ist natürlich schon schockierend, aber ich denke mal, sowas in der Art ereignet sich (leider) öfters in den Bergen (wenn man mal auch die Unfallberichte der Bergwacht durchliest), hat also sicher nichts mit Krotten- oder Öfnerspitze zu tun. Ich hoffe mal nur, daß ich sowas nie miterleben muß, mir hat es schon gereicht als 1998 beinahe Patrick abgestürzt wäre (siehe ersten Tourenbericht zum Heilbronner), das war auch schon ein recht prägendes Erlebnis...

Gruß, Thorsten
Martin
Hallo,
ich habe das Buch auch.
Was ich bisher nicht ganz verstanden habe, ist
ob es nun selbstverschuldet oder durch Steinschlag passiert ist.
Weiß da jemand mehr?
Micha
Da das ganze nun schon fast 25 Jahre zurückliegt und sich kaum einer an einen Bergwachtbericht erinnern mag (ich konnte damals noch gar nicht lesen), so darf man wohl spekulieren. Den Bericht habe ich mehrmals gelesen. Ob es sinnvoll ist, ihn hier zu posten sei mal dahingestellt.
Der Autor schreibt in seiner Schilderung von Orientierungsproblemen der Bergsteiger. Das Gelände scheint auch nicht gerade einfach zu beurteilen zu sein und das Gestein ist auch sehr brüchig. Der Steinschlag, den der Erzähler hörte, wurde -so denke ich- wohl von der abstürzenden Frau ausgelöst.
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