Einödsberg und Spätengundkopf

Martin
Servus,
heute wurde der südliche Teil des Himmelschrofenzuges erkundet.
Nachdem die Formulierungen zu R595 und R835 im DAV-Führer eher kryptisch denn nützlich waren (hat denn schon mal jemand das "verfallene Steiglein vom Gschlief aus zum Grat südlich P1790" gefunden?), habe ich mich für den bekannten Einstieg am Turbinenhäuschen an der Kreuzung südlich von Birgsau entschieden.
Kaum waren die ersten Höhenmeter überwunden, stieß ich voller Überraschung an einem Hochsitz auf einen Unimog-Fahrweg.
Weil einige Rindviecher hier Andenken an den Alpabtrieb hinterlassen hatten, mußte es sich um einen in den letzten Jahren neuangelegten Weg zur Hinteren Einödsberg-Alpe handeln.
Und so war es auch, im oberen Teil war noch ein kleines Stück des in den 80ern
noch idyllischen schmalen Steiges zu erkennen.
An einem Tobel war der Weg zu Ende, und das letzte Stück bis zur Hütte war ein einziger Morast.
Dort kreuzen sich die Wege,
links geht es zur Vorderen Einödsberg-Alpe (lt. DAV-Karte verfallen, aber längst neugebaut), geradeaus den Berg hoch zum Grat am Spätengundkopf
und rechts bergab nach Einödsbach.
Ich bin erst mal nach Norden abgebogen auf den völlig verschlammten Weg zur Vorderen Einödsbergalpe.
Der Senn scheint ein Misantrop zu sein, als ich kam, hatte er Fenster und Türen zugeschlossen, während draußen der Generator lief.
Der Weg wurde danach nicht besser, sondern schmaler und undeutlicher, und so bin ich, auch um die dort lagernden Gamsrudel nicht aufzuscheuchen,
über die freien Wiesenhänge zum Grat aufgestiegen- toller Ausblick auf Kratzer, Krottenspitzen etc!
Weil inzwischen die Zeit schon vorangeschritten war, bin ich dann schnurstracks nach Süden und dachte an den im DAV-Führer beschriebenen Abstieg ins Spielmannsautal- der war aber definitiv nicht zu finden.
Inzwischen zog wieder Nebel auf, und ich fand zwei Schilder: "kein Abstieg ins Spielmannsautal" und "Einödsbach-Birgsau-Oberstdorf".
Dummerweise waren das aber auch die einzigen Schilder im näheren Umkreis, und so verpaßte ich im Nebel erst einmal den Abzweig zur Hinteren Einödsbergalpe und lief eine halbe Stunde in irgendwelchen Trittspuren etwa parallel unterhalb des Grates,
bis ich nach Überwindung einiger Tobel, z.T. mit Schnee, unter den Nordabstürzen der Trettachspitze stand,
wo es definitiv nicht mehr weiterging.
Also zurück zu der besagten Abzweigung, ganz schön heikel im nassen Gras, aber wir sind ja schließlich im Allgäu!
Dort ging es dann sofort den Berg runter, der Nebel riß nochmals auf, und die Alphütte war zu sehen.
Und der Morast begann!
Und zwar bis zur Bacheralp oberhalb von Einödsbach.
Fazit:
Vom Waltenberger Haus aus müßte der Weg zum Wildengundkopf und Spätengundkopf besser zu finden sein als umgekehrt, weil man nicht ständig in irreführende Viehtrampelpfade gerät,
die Meldung der Bergwacht Oberstdorf vom 25.08.2002 wundert mich in dem Zusammenhang nicht.
Gutes Wetter sollte man natürlich auch haben.
Den Anstieg von der Unteren Mädelealpe werde ich in den nächsten Tagen nochmal in Augenschein nehmen, das scheint ein ähnlicher Phantomweg zu sein wie jener vom Gschlief aus.
Ohne meine zwei Bergstöcke wäre ich wohl nicht so unbeschadet heruntergekommen, also Trockenperiode abwarten!
Evtl. werde ich im August 2003 mit Bergführer diese beiden Phantomwege zzgl. Trettachspitze und Hochfrottspitze erkunden.
Wer da mitmachen will, ist natürlich willkommen und möge sich melden.
Thomas
Servus Martin,

bei deinen tollen Berichten aus dem Allgäu muss ich mich, als Allgäu-Liebhaber einfach nochmal melden.
Der Aufstieg von Einödsbach zum Spätengundkopf und zum Wildengundkopf bis hinüber zum Waltenberger Hs. und durch das Bacherloch zurück nach Einödsbach gehört zu meiner alljährlichen Start bzw. Endtour eines jeden Allgäu-Urlaubes. Wie du schon berichtet hast, ist der Ausblick von dort oben auch meiner Meinung nach klasse. Man hat einen kompletten Rundblick, von dem Nebelhorngebiet, zur Höfats bis zum Krottenkopf und Kratzer...und direkt vor einem liegt vom Wildengundkopf aus gesehen, die Trettachspitze.

Ich habe diese Tour in den letzten Jahren mehrmals unternommen. Die Hintere Einödsbach-Alpe inkl. dem schönen Kreuz mit der Bank ist erst in diesem Jahr oder Ende letzten Jahres erneuert worden. Von dort aus führt der Weg östlich durch das Waldstück direkt auf den Sattel am Spätengundkopf. Vermutlich bist du erst dem breiteren Weg nordöstlich zur Vorderen Einödsbachalm gefolgt. Der Weg durch das kleine Waldstück führt direkt auf den Sattel.
An dem neuen Schild Birgsau-Oberstdorf, oben am Spätengundsattel führt der Weg dann in südlicher Richtung auf den Wildengundkopf. Es geht immer auf dem Grat entlang. Zwischendurch kommst du noch an einem Kreuz, zum Gedenken an einem verunglückten Schäfer vorbei. Oben angekommen hast du dann zur linken Seite einen genialen Blick auf die Trettach. Thorsten müßte diesen Weg bei seiner Trettach-Besteigung eigentlich auch gegangen sein. Man darf sich nicht von den zahlreichen Steigspuren, die oben parallet verlaufen, irritieren lassen. Der Weg hinüber zum Waltenberger Hs. ist in 45 Min. vom Trettachfuß aus möglich. Ist zwar auch nur ein „Steiglein“ über Fels, Schotter und Schnee, aber deutlich erkennbar.
Zu dem Bericht der Bergwacht noch folgende Anmerkung. Lt. meiner Information wollte der Wanderer auf halben Weg zwischen Wildengundkopf und Walteberger Hs. (ich schätze auf Höhe der Mädelegabel) direkt nach Einödsbach absteigen, weil der Pfad für ihn „nicht gehbar“ erschien. Aber das ist halt von dort aus nicht möglich.
Solltest du den Weg zur Unteren Mädelealpe aus dem Trettachtal noch durchführen, dann schreibe doch nochmal eine Wegbeschreibung hier ins Board. Ich wollte schon immermal vom Spätengundkopf ins Trettachtal absteigen. Wahrscheinlich ist es auch besser aus dem Trettachtal über die Untere Mädeleaple irgendwie zum Spätengundkopf aufzusteigen, als von der anderen Seite.

Nächstes Jahr steht auch für mich die Trettachspitze an erster Stelle gefolgt von den 2 noch fehlenden Gipfeln des Allgäuer Hauptkammes. Die Besteigung der Hochfrottspitze werde ich im Zusammenhang mit den Bergen der Guten Hoffnung versuchen. Außerdem habe ich immer noch so einige, wie du so schön sagst „Phantomwege“ am Linkerskopf vor. Am Gipfel war ich bereits letztes Jahr, aber mich interessiert noch der Aufstieg über den Heubaum.

Ich wünsche dir noch viel Spaß bei deinen Unternehmungen und hoffe das du dich bzgl. Unterer Mädelealpe und den weiteren Weg hier nochmal meldest.

Viele Grüße ins Allgäu

Thomas
Martin
Hallo,
ich habe mich heute abend mal kundig gemacht bei www.oase-alpin.de am Oberstdorfer Bahnhofsplatz.
Meine angestrebte Tour war bekanntlich Mädelealp-Trettachspitze-Hochfrottspitze- Waltenberger Haus-Himmelschrofenüberschreitung- "im Gschlief".
Vielleicht ein bißchen viel für einen Tag, aber die Dame im Büro meinte nur, das solle ich am besten mit dem Führer besprechen, der nächste Woche wieder da sei.
Privatführungen seien mit 250 EUR zu kalkulieren, die sich dann auf die Zahl der Teilnehmer verteilen.
Falls Du im August 2003 Zeit hast ("bevorzugt am "Wochenende"), melde Dich, dann würde die Rechnung erträglicher aussehen.
Nächste Woche rechne ich mit der Meinung des Streckenexperten.
Zum Gratweg: wahrscheinlich hätte ich auf dem Grat bleiben müssen, ich bin dem Anstieg ausgewichen und dadurch in die Abbrüche und beinahe auch in den Bergwachtbericht geraten.
Der Nebel war so dicht, daß ich erst nach dem Verhauer die Hintere Einödsbergalpe gesehen habe.
Der Abstieg war dann wie gesagt eine einzige schlammige Schweinerei, v.a. rund um die Hintere Einödsbachalpe, immerhin hat es für ein Bier in Einödsbach vor dem letzten Bus in Birgsau noch gereicht.
Die Mädelealpe werde ich mir evtl. morgen ansehen (+ Aufstieg zum Krummenstein), heute war nix mit laufen, es hat abgetrocknet,
da ich bin mit dem Rad die Königsetappe nach Rohrmoos und zurück über den Riedbergpaß (kerniges Schlußstück vor Grasgehren).
Nachdem sowohl auf dem Grat als auch an der Mädelealp (Ende der 80er) vor dem Weg offiziell gewarnt wird, eine Anekdote bzgl. Phantomwege:
Der Weg durch den Gaisbachtobel 272b
ist ähnlich "verrufen".
Das hat den OASE-Bergführer Ende der 80er aber nicht daran gehindert, die gesamte Gruppe bei der Besteigung des Großen Wilden genau dort als Abkürzer durchzuschleusen;
Ich habe den Eindruck, diese Schilder (incl. Zeitangaben) richten sich eher an halbschuhtragende Flachlandtiroler als an seriös präparierte Berggänger.
Jonas Gmeinder
[no text]
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