Holzgauer Wetterspitze gefährlich?

Jürgen
ja... hallo erstmal

öhm.. ich habe vor evtl. Donnerstags den 26.7 die Holzgauer Wetterspitze zu besteigen, jetzt weiss ich aber nicht welche Gefahren da evtl. auf mich lauern könnten. Ich les immer wieder das dort viel Altschnee in einer Rinne liegen soll, die man queren oder gar hinaufsteigen muss. Besteht etwa die Gefahr in eine Gletscherspalte zu fallen? .. An der Zugspitze ist das ja auch vor kurzem passiert und ich hätte nicht gedacht das es dort 20meter tiefe Spalten gibt.

Und besteht die Gefahr eines Lawinenabgangs? .. Gibt es dort Wächten??

Ich war vor 2 Wochen auf dem Hochfeiler (3510m), dort konnte man aber die Gletscherzunge umgehen. Kondition und Trittsicherheit sollte also ausreichend vorhanden sein da ich schon viele Bergtouren unternommen habe. Allerdings keine wo ich mich bewusst Gefahren durch.. ja, Schnee ausgesetzt hätte.

Habe vor die Wetterspitze an einem Tag zu besteigen.

Wenn wer mitkommen will zur Wetterspitze kein Problem!!

Bin für jede Antwort dankbar!

Gruss Jürgen :)
Boris Stephan
Hallo Jürgen,

ich weiß nicht, woher du die Informationen hast, aber einen Gletscher gibt es an der Wetterspitze höchstens in Form des Fallenbacher Ferners unterhalb der Feuerspitze, der normalerweise nicht betreten wird. Natürlich kann es im Frühjahr und Herbst immer passieren, dass sich unterhalb des Gipfelaufbaus der Schnee hält, aber bestimmt keinen Gletscher. Der Gipfelaufbau ist m.E. sogar predestiniert dafür, um auch noch an späten Herbsttagen den Gipfel erklimmen zu können, denn der Schlussanstieg ist südlich bzw. westlich orientiert.

Man sollte den Schlussanstieg allerdings nicht allzu leichtfertig unterschätzen. Zunächst geht es in nicht allzu steiler Schrofenkraxelei eine Rinne hinauf zu einem Felsenfenster (I), von wo eine sehr steile Rinne mit guten Griffen und Tritten hinaufleitet. Ich würde sie als II- werten, der neue AVF bewertet hier m.E. unter, was man bei einem solch begehrenswerten Gipfel besser nicht machen sollte. Psychisch erschwerend ist das Felsenfenster unter einem, welches in die 500 m tiefen senkrechten Abgründe leitet. Oben setzt ums Eck die Schlüsselstelle an, eine ausgesetzte steile Platte mit nur spärlichen glatten Tritten, welche wegen der häufigen Begehung bereits etwas speckig sind. Es gibt aber ein gespanntes Drahtseil zum halten, ohne dieses wäre ich hier niemals drüber. Steng genommen kann hier eigentlich nichts passieren, man hat ja das Drahtseil, aber wenn man hier wegrutscht gilt es schon Nerven zu behalten. Besonders bei Restschnee unter den Schuhen (so bei meiner Oktober-Begehung letztes Jahr) kann die Stelle schon unangenehm werden.

Die Wetterspitze lohnt wegen der grandiosen Rundumsicht und der kühnen Gipfelgestalt, weniger aus bergsteigerischer Sicht. Ich bin damals von Kaisers aus den langen Bogen um die schönen Aplespleisspitzen herum zum Fallenbacher Joch aufgestiegen. Kaisers liegt auf guter Ausgangshöhe, aber das Tal zieht sich elends in die Länge. Auf dem Rückweg kannst du bei guter Kondition noch die Feuerspitze weglos über die breite Westrinne besteigen. Hier querst du auf dem Weg zum Stierlahnzugjoch so lange, bis du links die sehr breite, von steilem Schutt und einigen Schrofen dominierte Rinne siehst. Sie erfordert kaum Kletterei, aber insbesondere im Abstieg sicheren Tritt. Oben geht es ganz leicht, aber mühsam zum breiten, insgesamt wenig bestiegenen Gipfel. Zurück wieder durch die Westrinne, wobei du ab Weg auch abkürzend direkt einige grobe Abfahrmöglichkeiten, zum schluss gut begehbares Blockwerk nutzen kannst.

Hoffe, das war eine Hilfe für dich

Gruß Boris
Jürgen
DANKE Boris !! :)

Ich hab mir gedacht das ich evtl. von Holzgau aus starte. Vielleicht kannst du mir noch sagen ob ich da auch einen langen Hatsch vor mir habe bis ich dann endlich den Berg selber besteigen kann?

Und wielange würde ich brauchen wenn ich von Kaisers (sorry hab jetzt gerade keine Landkarte neben mir) starte und an einem Tag den Gipfel besteigen will. In den Berichten die ich gelesen habe gehn die meisten bis zur Simmshütte und übernachten dann dort. 1800 Höhenmeter sollten aber auch an einem Tag zu packen sein vorausgesetzt ich muss nicht noch 20km (oder so) durch ein Tal marschieren bis ich endlich am Berg selber bin.


Vor dem Klettern hab ich keine Angst nur vor dem evtl. Schnee. Wächte, Spalten .. keine ahnung, war dort noch nie.

gruss Jürgen
Boris Stephan
Hallo Jürgen,

also streckenmäßig schenkt sich Holzgau und Kaisers nicht viel (ca. 8 km), wohl aber hinsichtlich Höhenmeter: Kaisers liegt fast 500 hm höher, einmal muss man aber rd. 50 hm absteigen. Auch landschaftlich dürfte die Kaisertalroute wesentlich mehr bieten (Vorderseespitze, Aplespleisspitzen, Feuerspitze, Grießkopf, auch der Boden südl. der Aplespleis ist recht hübsch), die Route über die Simms-Hütte ist glaube ich etwas monoton. Das Gelatsche auf dem Forstweg ist ungefähr 5 km lang, nervig ist, dass auf ca. 2 km länge quasi keine Höhenmeter gemacht werden. Also solide Kondition vorausgesetzt ist die Wetterspitze an einem Tag auch im Spätherbst von Kaisers aus kein Problem.

Gruß Boris
Jürgen
Danke Boris :)

braucht man sonst noch spezielle Ausrüstung wie Steigeisen, evtl. Klettergurt + Klettersteigset? Übertrieben oder? naja..

gruss Jürgen!
chris
bei einem abstecher auf die feuerspitze könntest du, wenn zufällig noch etwas platz im rucksack ist, ein neues gipfelbuch mitnehmen (zB altes Kalenderbuch ...)???!!! das alte von 1988-2007 ist jetzt nämlich endgültig voll!
Micha
Hallo Jürgen,

warst du auf der Wetterspitze? Gurt und Klettersteigset hast du hoffentlich unten gelassen. Steigeisen und Pickel können je nach Verhältnissen schon hilfreich sein. Bei der Höhe können Altschneefelder schon mal über Nacht anfrieren.
Gestern konnte ich vom Rüfikopf in den Lechtalern einen Blick auf die Holzgauer Wetterspitze werfen, scheint aber komplett schneefrei zu sein..

Auf beiden Wegen, egal von Kaisers oder von Stockach, ist ein Mountainbike sehr von Vorteil. Selbst ausprobiert. Man kann damit auf Fahrwegen bis auf über 1700m radeln. Einige Kehren auf der "Stockach"-Route sind sehr steil, da ist bei weniger geübten Leuten schieben angesagt. Der Fahrweg von Kaisers ist weniger anspruchsvoll.

Grüße, Micha
jürgen
Ja ich war auf der Wetterspitze!! .. Bericht folgt noch :)

also vor Schnee brauchte ich nun wirklich keine Angst zu haben!! .. Und ein Gipfelbuch war auch oben, welches noch genügende freie Blätter enthält. Das mit dem Klettern der letzten 50meter empfand ich nicht als harmlos! .. Da reicht ja einmal ausrutschen und dann tschüss! Ich hatte nen 40Liter Rucksack auf dem Rücken dazu die schweren Bergstiefel. Sowohl beim hinauf- wie auch beim hinunterklettern hatte ich ne gehörige Portion Angst!

Gestartet war/bin ich von Stockach aus, naja.. und dann erstmal die falsche Wand hinaufgeklettert!! .. Dann hab ich noch meinen Helm verloren, fiel ca. 50 meter in die Schlucht. DANN erst hab ich nochmal genau auf meine Karte gesehn und ..naja.. hab dann die Seite gewechselt ..peinlich peinlich.

Alles in allem aber ne sehr schöne Tour, zurück über Kaisers hab ich mich dann nicht mehr ganz getraut, hatte Angst mich nur noch zu verlaufen. UND der Hüttenwirt sieht das meiner Meinung nach recht locker mit dem Gipfelanstieg. Ich fand den nicht so harmlos. Vor allem die Stelle wo das "Fenster" ist, wieso dort kein Seil angebracht ist versteh ich nicht ganz. naja..

gruss Jürgen :)
Boris Stephan
Hallo Jürgen,

dass der Hüttenwirt das locker nimmt, das wurde bereits in einem anderen Forum kritisch diskutiert - die Wetterspitze darf wirklich nicht verharmlost werden. Auf die Schwierigkeiten unterm Gipfel habe ich ja schon in meinem Posting hingewiesen, wie mir scheint lag ich da mit meiner Einschätzung auch nicht ganz verkehrt...

Dass der Anstieg zur Platte seilfrei ist, finde ich in Anbetracht der nicht einfachen Schlüsselstelle angebracht, bei Klettersteigen wird sowas als "Filter" auch gerne eingebaut.

Gruß Boris
Jürgen
Hallo jungens!

Hab mir das hier gerade nochmal durchgelesen was wir hier alles zur Wetterspitze geschrieben haben.

Puunkt 1.. an Boris Stephan: Ich glaube mir erinner zu können das bei meinem Gipfelaufstieg überhaupt kein Stahlseil angebracht war!!! .. Ich habe dieses NIEMALS also überwunden, aber wie schon geschrieben ich hatte nicht wenig Angst dabei, sowohl beim rauf wie auch beim runterklettern. Also ich weiss es nicht mehr ganz sicher, aber ich glaube da war kein Stahlseil. Naja.. vielleicht will ich mich auch nur rückblickend heroisieren! :)

und sorry.. da wo es um das Gipfelbuch ging hab ich die Wetterspitze gemeint, nicht die Feuerspitze.

gruss Jürgen
Micha
Hallo Jürgen,

klingt nach dem direkten Aufstieg vom Kammerloch. Groth bewertet diesen im alten AVF (4.Auflage) mit "bis III", also vermutlich ein IIer.

Micha

P.S.: aus Versehen klettert da eigentlich keiner rauf, habs mir bisher nur angeschaut. Waren bei dir keine Leute am Berg unterwegs, denn dann ist ja die Orientierung einfach - immer den Massen nach ;)
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