Herbst-Tour 2000 durch die Allgäuer Alpen

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5. Tag: H.v.Barth-Hütte - Marchspitze - Kemptner Hütte

Bereits am Morgen sah man, daß es ein super Tag werden sollte: Sonne und blauer Himmel pur.
Auch bergsteigerisch sollte es ein interessanter Tag werden, da die Nordostflanke der Marchspitze auf dem Programm stand, eine laut Führer selten begangene IIer-Kletterei in brüchigem Fels.
Ich wählte diesen Anstieg, da ich den Düsseldorfer Weg zur Kemptner Hütte gehen wollte und dieser eben über die Marchscharte (Ausgangspunkt der Nordostflanke) führt. Alle anderen Anstiege auf die Marchspitze wären ein größerer Umweg gewesen.

Kurz vor 10 Uhr kam ich an der Marchscharte an. Hier machte ich erstmal kurz Pause um mich nochmal zu stärken und meine Kräfte zu sammeln.
Laut Führer stand mir eine Kletterlänge von 200 m bevor, für die man 75 Minuten brauchen soll. Den Rucksack lies ich an der Scharte zurück und los ging's! Zunächst klettert man 100 m in einer Rinne empor, die wirklich sehr brüchig ist. Hier überlegte ich kurz, ob ich mein Vorhaben nicht lieber abbrechen sollte, doch ich war viel zu neugierig auf den Weiterweg.


Blick von Marchscharte: in dieser Rinne ging es hoch
Blick von Marchscharte:
in dieser Rinne ging es hoch.

In dieser Rinne traf ich auf vereinzelte Schneereste, die steinhart gefroren waren und ich verfluchte bereits meine Entscheidung, den Pickel beim Rucksack gelassen zu haben!
Am Ende der Rinne wurde ich schließlich von einem Steinmännchen begrüßt und ich war mir nun ganz sicher, auf dem richtigen Weg zu sein. Nun ging es auf einem breiten Band in die Nordwand, bis ich auf eine "Schlucht" traf, die dann fast direkt auf den Gipfel führt.
Die Schlucht war fast vollständig mit Schnee gefüllt, doch ich hatte Glück, da der Schnee nur leicht angefroren war und ich somit problemlos auch ohne Pickel die rund 45 Grad geneigte Schneerinne emporsteigen konnte. Durch den Schnee konnte ich mir natürlich die (brüchige) Felskletterei sparen, weswegen ich ziemlich schnell voran kam. Oben angekommen begrüßte mich erst einmal die Sonne wieder (war doch recht kalt in dieser Nordrinne) und mit wenigen Schritten gelangte ich schließlich auf den Gipfel! Und das alles in der halben Zeit (exakt 37 Minuten)!


Die Marchspitze von Norden
Die Marchspitze von Norden:
rot markiert das Band und die Schlucht
durch die die Route "Nordostflanke" führt


Noch zu erwähnen wäre, daß die Marchspitze an sich selten besucht ist: nur 20-40 Eintragungen pro Jahr zählte ich im Gipfelbuch, doch an diesem Tag folgten mir 4 weitere Leute von der Barthhütte, die allerdings den Südgrat nahmen.
Einer von ihnen kam 10 Min nach mir auf dem Gipfel an (und das obwohl er min. 30 Min früher von der Hütte weggegangen war) und wunderte sich, woher ich denn gekommen sei.

Er machte dann noch ein Foto von mir und ich eins von ihm, ich genoß noch einmal die herrliche Aussicht und machte mich auch schon wieder an den Abstieg, da dieser ja recht heikel war (und runter ist schwieriger als rauf) und ich mich deswegen etwas unwohl auf dem Gipfel fühlte. Doch vorsichtig und mit viel Geduld war ich in 50 Minuten wieder unten an der Scharte.

Jetzt war ich so glücklich diese Tour geschafft zu haben, daß ich sie am liebsten nochmal geklettert wäre!

Am Gipfelkreuz der Marchspitze
Am Gipfelkreuz der Marchspitze;
im Hintergrund links der Hochvogel.


Nach ausgiebiger Rast wanderte ich dann aber doch weiter über den Düsseldorfer Weg zur Kemptner Hütte. Ein wirklich schöner Weg, nur bei Nebel und Neuschnee könnte man sich "auf der March" schnell verlaufen.
Ohne große Probleme kam ich dann gegen 18 Uhr auf der Hütte an, auf der leider auch wieder einiges los war.


Der Große Krottenkopf von der Marchspitze gesehen
Der Große Krottenkopf von der Marchspitze gesehen;
im Hintergrund links der Heilbronner Höhenweg.




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(c) by Thorsten Liborius, 2000
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